Das fliegende Klassenzimmer

In Alice Springs gibt es seit 1951 eine ganz besondere Bildungs-Stätte. Deren Klassenzimmer ist in etwa so gross wie Mitteleuropa, mit 122 Schülern jeder Altersstufe, von 4-jährigen Preschool-Students bis zu den 14-jährigen im 9. Schuljahr.

The „School of the air“, kurz SOA entstand aus einer Idee, wie den Kindern im Outback, weit entfernt von Schulen oder Dörfern, andere Wissensgebiete vermittelt werden könnten, als was sie zuhause erleben. Dabei wurde in Zusammenarbeit mit den Gründern der Flying Docters ein Modell geschaffen, bei dem die mobilen Funkgeräte (teilweise mit Tretgeneratoren zur Erzeugung der notwendigen Energie) zum Zweck eines Fernunterrichts eingesetzt wurden. Schullektionen wurden dafür umgesetzt, Materialien erarbeitet und den Kindern zugesandt. Anfänglich wurden die Hausarbeiten per Post hin und her gesandt, was alles etwas langsamer machte. Anlässlich des 50. Geburtstages wurde das Ganze erneuert und auf Computer-Technik umgestellt. Die Schüler haben per Sateliten-Verbindung sehr schnelle Datenverbindungen, die eine Echtzeit-Übertragung des Unterrichts ermöglicht. Dazu erhalten sie von der Schule die Sateliten-Empfangseinrichtung, ein Headset und eine Webcam, damit der Lehrer und auch die anderen Schüler sie ebenso sehen und auch hören können. Wer an der Reihe ist zu sprechen, dem erteilt der Lehrer das Wort und der wird von allen gehört. Ein Vorteil: zuflüstern unter den Schülern geht nicht! Der Lehrer arbeitet in einem einfachen Studio, kann auf einer Tafel schreiben und zeichnen oder etwas gezielt demonstrieren (dafür gibt es eine besondere Kamera) oder er kann auch andere Inhalte übertragen. Er steuert auch, wer von den Schülern für die anderen sichtbar ist.

Die Lehrer besuchen aber ihre Schüler etwa 3x pro Jahr und einmal pro Jahr kommen alle Schüler mit den Tutoren (Lernhelfern zuhause, Mutter oder Vater oder Angestellte) nach Alice Springs zu einem Treffen.

Das Modell ermöglicht es, den Kindern der entlegenen Stationen eine gute Vorbereitung auf die High-School mitzugeben, ohne sie von ihren Familien zu trennen. Ich hoffe jedoch nicht, dass es jemals in der Schweiz angewandt werden muss, weil wir unsere Schulen so sehr zentralisieren, dass die Kinder im Haslital (oder Muotathal u.ä.) nicht mehr von zuhause zur Schule gelangen können. Damit endet der heutige Blog mit einem politischen Statement, was aber eine Ausnahme bleiben soll.

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