Puncture, oder Hilfsbereitschaft 2

Eine Puncture nennt der Australier, und wohl jeder andere englischsprechende, das, was der Autofahrer überhaupt nicht liebt: ein kleines Loch. Ist es im Reifen, so geht diesem die Luft aus, so einfach ist das.

Wir haben uns die letzten Tage mit so einer Puncture herumgeschlagen. Angefangen hat es mit einem leisen Verdacht. Ungefähr 100km von der letzten Servicestation entfernt und mit dem Ziel auf einem Campground in einem Nationalpark kommt erscheint uns der eine Reifen etwas wenig Luft zu haben. Nachdem er auch nach einem Walk von 10-15 Minuten gleich aussieht, entscheiden wir uns noch weiterzufahren und den Reifen zu beobachten. Nach weiteren 20km: Sichtkontrolle (ist er flacher? wenn, nur wenig) und Fühlkontrolle (er ist deutlich wärmer als der andere) und Entschluss, einen Radwechsel vorzunehmen. Ich habe den Wagen noch nicht aufgebockt, hält ein anderer Fahrer an und bietet Hilfe an. Er hat eine Pumpe dabei und pumpt uns den Reifen auf denselben Druck, wie gegenüber auf.

Damit fahren wir jetzt die letzten 70km zum Campground, immer mit wachsamem Auge auf den Reifen. Dort müssen wir leider feststellen, dass er weiterhin Luft verliert und es drängt sich wohl doch ein Radwechsel auf. Das Fahrzeug wird aufgebockt und ich sehe unter dem Boden nach dem Ersatzrad. Da ist es, aber wie bringe ich es herunter?

Nach einigen Versuchen mit verschiedenem Werkzeug gehe ich auf die Suche nach einem sachkundig ausschauenden Wüstenfuchs. Zum Glück ist der Platz gut besucht und die meisten kommen von oder wollen in die Simpsons Desert. Der erste, den ich anspreche kommt auch auf der Stelle herbei und sieht sich das ganze an. Er kann mir zeigen, wie man das Rad herunterholt (einfach, wenn man weiss wie). Dann hat er eine andere Idee: er hat ein Kit, mit dem er eine Puncture schiessen kann. Weil sie offensichtlich auf der Lauffläche ist, muss ich das Rad dennoch abnehmen. Mit Wasser (wie beim Fahrradschlauch) lokalisiren wir den Schaden, drei kleine Risse, die von einem Punkt ausgehen. Der freundliche Helfer bohrt nun ein richtiges Loch hinein, steckt mit einer gigantischen Nadel einen klebrigen Gummistreifen hinein und zieht die Nadel wieder heraus. Jetzt steht aus dem Loch ein Gummistreifen heraus, den schneidet er mit einem Messer ab.

Am anderen Morgen, wird sind etwas unsicher, ob die Operation ein Vollerfolg war, pumpt er uns den Reifen auf einen geringeren Druck auf (dem Gelände angepasst) und wir passen den Reifen Druck auf allen 4 Rädern an. Jetzt geht es 70km zur nächsten Werkstatt. Das Heidekraut schielt fast ständig auf den Tacho, wann denn diese 70km hinter und lägen. Dort können wir den Reifendruck prüfen lassen und siehe da, er ist unverändert! Das Leck ist geschlossen. Beruhigt nehmen wir die nächsten 250km zur nächsten Servicestation unter die Reifen. Dort, beim Highway 89 (Stuart-Hwy) können wir den Druck erneut kontrollieren (unverändert) und wieder auf normalen Druck aufpumpen. Mittlerweise sind wir mit dem Rad 400km gefahren, ohne dass es Luft verloren hat, der Patient kann als geheilt betrachtet werden.

Wir haben dabei gelernt, wie wir zum Ersatzrad kommen, eine wertvolle Kenntnis in dieser Gegend. Kann es doch vorkommen, dass wir auf den Nebenstrassen eine Stunde oder länger niemanden antreffen….

2 Gedanken zu “Puncture, oder Hilfsbereitschaft 2

  1. Liebes Heidekraut und Bär
    Australien ohne flat tire ist etwa wie die Schweiz ohne Schnee. Eure lebhaften Berichte lese ich immer wieder mit Vergnügen. Fühle mich dabei wie das Mäuschen, das Euch auf Schritt und Tritt begleitet😇🍀😋. Liebe Grüsse und weiterhin alles Gute und viel Freude auf Eurer Reise. Liebe Grüsse Urs, Ruth, Sonu und Munna

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