Das sechste Rathaus

Das heutige Rathaus der freien und Hansestadt Hamburg ist ein imposanter Bau. Sein Turm in der Mitte ragt mit 112m Höhe deutlich über die Häuser der umgebenden Stadt und wird nur von Kirchtürmen konkurrenziert. In der langen Geschichte der Stadt ist es das sechste Rathaus; das fünfte wurde beim Stadtbrand 1842 gesprengt, um eine Schneise zur Bekämpfung des Feuers zu schaffen.

Das Rathaus wurde Ende des 19 Jh. erbaut und 1897 eröffnet. Da Hamburg nicht nur eine grosse Stadt sondern auch ein Bundesland der Bundesrepublik Deutschland ist, dient es nicht nur als Sitz für Stadtparlament und Regierung (Senat) sondern auch des Landesparlaments und Regierung. Beim Bau wurde natürlich auch auf die Ausstrahlung geachtet, man wollte sichtbar machen, dass hier eine stolze freie Stadt ist, was in den Zeiten der Königreiche, Herzog- und Fürstentümer von Bedeutung war.

Wir haben uns einer der Führungen durch dieses Haus angeschlossen. Beeindruckt hat uns dabei auch, dass es in diesem Haus in mehreren grossen Repräsentativ-Räumen grosse dekorative und, wie versichert wurde, voll funktionsfähige Kamin-Feuerstellen gibt, die aber noch nie benutzt wurden. Dies, und das finde ich bemerkenswert, weil das Haus von Anfang an mittels Fernwärme beheizt wurde. Auf einem Schachtdeckel in der Stadt habe ich gesehen, dass das Fernwärmenetz der Stadt seit 1894 in Betrieb ist, es sieht fast aus, als ob das Rathaus hier den Ausschlag gegeben hatte. Auch wurde das Haus von Beginn weg elektrisch beleuchtet, was zur damaligen Zeit auch keine Selbstverständlichkeit war.

Im Zweiten Weltkrieg diente der Turm anfänglich auch als Navigationshilfe für die Britischen Flieger, wenn sie Ziele in Norddeutschland anflogen. Bei der grossen Bombardierung 1941 wäre das Rathaus allerdings wohl auch zerstört worden, hätte die grosse Fliegerbombe, die auf den grossen Platz abgeworfen wurde, wirklich gezündet. Dann gäbe es heute ein siebtes Rathaus.

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