N’Kob am Rand der Sahara

Unsere Tour durch Marokko führt uns nun südlich des Atlas am Rand der Sahara entlang. Die Route National 17 führt von Rissani südlich des Anti-Atlas bis nach Zagora und weiter nach Tan-Tan am Atlantik. Das ist am Nordrand der grossen Wüste Sahara entlang.

Wir folgen dieser Strasse bis Tazzarine. Dabei kreuzen wir immer wieder Erhebungen im Gelände, die auf einer Seite felsige Abbrüche aufweisen, meist von vielen EiInkerbungen zerschnitten, auf deren Rückseite aber flach in die Ebene übergehen. Es sieht sehr aus, als ob hier widerstandsfähigere Schichten stehen geblieben sind, bis die Schicht darunter wegerodiert war und der oben liegende Stein abgebrochen ist. Dann aber zerfällt der auch in immer kleinere Brocken. So bleibt ein bunter Flickenteppich an feineren und gröberen Steinen am Boden, auch dem hier und dort Tamarisken oder Akazien wachsen. Ab und zu gibt es grössere Orte (z.B. Alnif) und dazwischen kleine Ansammlungen von einfachen Behausungen. Rund um solche Orte gibt es grüne Flächen, wenn es gelingt, Wasser aus dem Grund hochzupumpen.

Flussbetten gibt es auch und auf der Karte sind die als Wasser eingezeichnet. Wasser an der Oberfläche ist da aber keines zu sehen und alle diese Oasen leben von Wasser aus den Bergen des Saghro oder Antiatlas. In Tazzarine biegen wir auf eine Route Regional ab und erreichen nach etwa 35km N’Kob, eine Berberstadt in der Sahara wie sie im Bilderbuch zu finden ist.

Viele der Häuser sind Kasbahs, kleine Burgen in Lehmbauweise. Eine Mauer umfasst das Gelände und darin sind verschiedene Gebäude, an- und ineinander gebaut, angeordnet. Solche sind heute oft als Gästeunterkunft genutzt und schön renoviert. Die Kasbah Ait Omar in der früheren Mella gehört einem Mann, der aus Deutschland nach Marokko gekommen ist und der diese wohl halb zerfallene Kasbah gekauft und danach traditionell wieder hergerichtet hat.

Dabei werden die Mauern aus Steinen erstellt, die aus Lehm und Sand hergestellt werden; nach gemacht, in einer Form zusammengestampft und danach wieder getrocknet. Diese Mauer wird danach mit einem Verputz auch aus Sand und Lehm mit etwas Stroh darin verkleidet. Die horizontalen Mauerwerke liegen auf Balken aus dem Holz der Dattelpalmen, auf denen dann wie Dachlatten schmale Latten quer aufliegen. Auf diesen liegt eine Schicht aus verholzten Schilfstängeln, die wie Bambus aussehen. Jetzt kommen die Lehmziegel darauf und danach der Bodenbelag. Auch das Dach wird so gebaut und mit Wasserspeiern allfälliges Regenwasser abgeleitet. Die Kasbah Ait Omar hat bis zu drei Stockwerke und darauf eine Dachterrasse, von der aus man über die Stadt und die Oasengärten sehen kann.

In der Oase wird die traditionelle Ackerwirtschaft betrieben. Am Boden Futtermittel, Getreide oder Gemüse, dazwischen stehen aber immer wieder Fruchtsträucher (z.B. Granatäpfel o.ä.) und die hohen Dattelpalmen. Während unseres Spaziergangs durch diese Gärten konnten wir bei der Ernte von Datteln zusehen und des Helfers Technik bestaunen.

Während unseres Spaziergangs haben wir bereits vereinzelte Wassertropfen wahrgenommen. Ab Mittag bis in den späteren Nachmittag hinein geht hier dann ein recht intensiver Regen nieder, teils begleitet von Blitz und Donner. Die nicht asphaltierten Nebenstrassen im Ort werden dadurch ziemlich ausgewaschen und weisen danach tiefe Gräben auf. Die Dachterrasse der Kasbah läuft voll, weil die Regenabflüsse bald von Sand und Laub blockiert sind und dann läuft das Wasser ins Treppenhaus ab. Trotz der zusätzlichen Arbeit wird der Regen aber von den Bewohnern als Segen wahrgenommen und begrüsst, Wasser ist ein knappes Gut. Bei einigen Häusern zeigen auch die Fassaden Spuren des Wassers, die werden sicher wieder etwas hergerichtet werden müssen.

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