(aus Reinhard Mey; Mann aus Allemania)
Dann hab ich’s nochmal versucht
und die Wüstentour gebucht
für 200Mark in bar
lieh man mir ein Dromedar…
Wir haben uns nicht ein Dromedar alleine ausgeliehen. Es ist eher eine kleine Karawane. Unsere Reisegruppe besteht aus 12 Teilnehmern, eine Person lässt sich fahren, also liegen 11 Kamele aufgeteilt in 2 Reihen für uns bereit. Jeder Zug hat einen Lokomotivführer, hier ist es ein Kamelführer.
Eine Person nach der anderen steigt auf ein Tier auf. Danach steht dieses auf. Erst gehen die Vorderbeine auf die Knie (Anatomisch ist es wohl das Handgelenk), dann steht es auf die Hinterbeine auf und kommt zuletzt ganz auf die Vorderbeine. Das gibt eine eigenartige Bewegung, auf die man sich etwas vorbereiten muss und vor allem sollte man sich gut festhalten dabei. Dann bist Du plötzlich ganz hoch oben. Der Höcker ist mit einer Art Sack mit einer Füllung aus Stroh aufgepolstert und man sitzt recht bequem da oben. Der Rucksack mit dem notwendigsten für die Übernachtung wird vorne am Handgriff befestigt.
Hab das Wüstenschiff erklommen
und bin vom Weg abgekommen
sah nicht mal mehr Amerikana
nur noch eine Fata Morgana
Wenn alle aufgestiegen sind geht es langsam los. Der Kamelführer hat das Leitseil des ersten Tieres in der Hand, die nachfolgenden sind mit ihrem Seil am jeweils vorderen festgebunden und folgen wie ein Zug. Erst geht es über festen Boden, festgebackener Sand, teilweise sind grössere Steine darauf. Bald aber sind die ersten isolierten kleinen Dünen da und nach 15 Minuten sind wir ganz in diesem feinen Sand unterwegs. Die Tiere gehen nicht so gerne abwärts und auch für den Reiter ist das nicht angenehm. Also sucht der Kamelführer einen Weg zwischen den hohen Dünen hindurch. Einzelne Büsche trotzen dem Sand und bilden einen Kontrast in dieser roten Landschaft.
Der Ritt dauert etwa 2.5 Stunden, unterbrochen von einem Halt in einem Übergang zwischen den grössten Dünen, die sicher 200m hoch aufragen. Das gehen in diesem Sand erfordert eine besondere Technik, aber diese Berber beherrschen sie perfekt. Es sieht elegant aus.
Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir das Camp. Dieses ist äusserst komfortabel, jedes Paar hat sein eigenes geräumiges Zelt mit einem Bad. Dort ist eine Toilette mit Wasserspülung, eine einfache Dusche und ein Lavabo. Wir verzichten auf eine Dusche hier, wo das Wasser doch kostbar ist und aus der Tiefe gepumpt werden muss. In einem grossen Restaurant-Zelt gibt es das Abendessen, Tajine mit Hühnchen, eine kräftige Gemüsesuppe vorher und zum Nachtisch Obst.
dann sah ich eine Person
„Hallo“ rief ich „Wüstensohn
wo geht’s denn hier zur Kantine
hör mal alter Beduine
Bring mich jetzt schnell zur Oase
ich hab‘ meine Bierdurstphase
du bist doch hier eingebor’n
wo gibt’s hier ’n Pils un’n Korn
bisschen dalli ist das klar!“
da rief der Mann vom Schrecken starr:
Guck mal, ach nee, sieh mal da
Mann aus Allemania!
Wein und Bier gibt es hier nicht im Camp. Dafür am Lagerfeuer zwischen den Zelten eine Darbietung von Berber-Musik, live vorgetragen von den Angestellten hier im Camp. Mit Inbrunst tragen sie Gesänge vor, trommeln und klappern mit einer Art Kastagnetten aus Blech. Gegen Ende lassen sie auch die Gäste ihre Instrumente ausprobieren.