Südlich von Tinghir liegen noch die Ausläufer des Anti-Atlas. Wieder fahren wir einem einem breiten, steinigen und trockenen Tal entlang nach Osten. Es gibt hier und dort grüne Flecken, Oasen im wahrsten Sinn des Wortes. Zum Teil sind die auch künstlicher Bewässerung geschuldet, das Wasser ist aber wirklich rar.
Bei Tinejdad liegen am Rand der Strasse in kurzen Abständen und in mehreren Reihen grosse Haufen neben der Strasse, sie wirken wir überdimensionierte Maulwurfshaufen. Es sind Zeugnisse eines alten Bewässerungssystems der Khettara. Die Tunnel sind längst zerfallen. Aber hier können sie teilweise besichtigt werden. Alle 10-20 Meter wurde ein Loch gegraben, um Licht und Luft in den Tunnel gelangen zu lassen für die Leute, die diese gebaut und unterhalten haben. Das waren wohl schwarzafrikanische Sklaven. Mehrere solcher Tunnel parallel nebeneinander führten von den Bergen des Drâa-Tafillet hier in dieses Wüstental. Am Zielort wurde ein grosser Brunnen damit gespiesen, aus dem Trink- und Brauchwasser für die Bewohner und Tiere entnommen wurde und die Felder bewässert wurden. Auch hier gab es ein System kleiner Kanäle, die das Wasser zu den Pflanzen brachten.
Ich frage mich, wieso diese Wasserflüsse heute nicht mehr genutzt werden. Es müsste doch möglich sein, diese Leitungen neu zu erstellen und die Bewässerungssysteme weiter zu speisen. Diese sind noch sichtbar, liegen aber trocken. Aber vielleicht liegt es an der Jahreszeit.
Weiter führt uns die Route nach Osten. In Arfoud machen wir einen Mittagshalt und suchen ein Lokal zum Essen. Das ist für eine Gruppe von 14 Personen nicht ganz einfach, will man nicht lange warten müssen. Martin findet eines, wo wir gute Pizza, Omelettes und Salate erhalten. es geht erstaunlich schnell. Währen die ersten essen, kommt ein Fahrradbote mit Nachschub an Eiern an. Den Eierkarton mit ca. 50 Eiern balanciert er auf der rechten Hand, mit der linken lenkt er sein Gefährt. Fahrräder haben hier nicht zwingend Bremsen, dieses aber wohl schon. Gekonnt stellt er das Fahrrad (immer mit nur einer Hand) ab und bringt die Eier ins Lokal. Den Kaffee nach dem Essen bringt uns der Wirt aus dem Lokal nebenan.
Auf der Weiterfahrt queren wir mehrfach leichte Erhebungen in der sonst ausgedehnten Ebene. Wie in den Break aways in Australien liegen offenbar härtere Gesteinsschichten auf weicheren, die dann darunter weg-erodieren und die oberen dann abbrechen lassen. Das hinterlässt auf dem Boden auch ein fleckiges Muster, hier dunklere Steine, da dann wieder helleres Gestein. Später begegnen wir einem Hirten mit seinen Kamelen (Dromedare), die durch die karge Landschaft ziehen. alles was ein bisschen grün ist, wird geknabbert.