Der Hohe Atlas

in unserem Bücherregal steht auch so einer, ein Atlas der fast einen halben Meter hoch ist und schwer; doch davon soll dieser Beitrag nicht handeln.

Der Atlas ist ein Gebirge im Norden Afrikas. In der griechischen Mythologie ist Atlas der Träger des Himmelsgewölbes. Das Gebirge erstreckt sich über 2500km von West nach Ost durch Marokko, Algerien und Tunesien. Die höchsten Gipfel sind ziemlich im Westen und erreicht über 4000m Höhe, sie sind auch immer wieder Ziel von Alpinisten im Frühjahr mit Ski und Fellen. Der Gebirgszug trennt die Küstenregionen an Atlantik und Mittelmeer von der Sahara

Von Midelt aus haben wir die östlichen Ketten des hohen Atlas überquert und sind in Tinghir (gesprochen Tinrir) angekommen.

Die Fahrt geht durch enge Einschnitte in den Bergketten und danach wieder durch breite Ebenen, aufgeschüttet mit Geröll dieser Berge. Auch wenn kaum fliessendes Wasser sichtbar ist gibt es immer wieder Orte und nebenan bebaute Felder. Hirten sind mit Schaf- und Ziegenherden unterwegs. Gelegentlich bittet jemand um Wasser und Majoub wirft eine Flasche über Bord. Die Leute sind arm und leben einfach.

Von Er-Rich aus sind wir dann durch das Tal des Ziz gefahren, auch eines dieser breiten, flachen und steinigen Täler. Der Fluss ist nicht zu sehen; es gibt zwar ein Bett, aber selten ist darin etwas Wasser sichtbar. An einer Stelle treffen wir auf Berberhirten mit Schafen, die um ein Feuer sitzen und Tee trinken. Bei Mzizil Tillechte verlassen wir diese Strasse und fahren auf einer Provinzstrasse weiter. Diese ist nur eine Fahrbahn breit asphaltiert, zum Kreuzen muss mindestens eines der Fahrzeuge auf das Kiesbett nebenan ausweichen; in der Regel tun es beide mit den rechten Rädern. Es hat aber nicht viel Verkehr. Die Landschaft wird noch karger und trockener.

Bei Amellagou geht es dann in eine recht enge Schlucht. Hier fliesst aber Wasser an der Oberfläche und die kleinen Felder im Talboden sind saftig grün. Einzelne Männer bearbeiten ihre Felder von Hand mit kleinen Hacken. Bei einem Dorf Namens Imider nehmen wir unser Picknick an Fluss. Wir müssen eine steile, halb zerfallene Treppe hinabsteigen zum Fluss. Zuvor müssen wir uns durch eine Schar Kinder kämpfen, die durch kleine Geschenke angelockt wurden. Es werden immer mehr. Martin sagt uns später, dass wir Geschenke erst verteilen sollten, bevor wir von so einem Ort wieder abfahren. So haben wir anfänglich eine grosse Schar Kinder, die uns beim Essen zusehen, zwar mit Abstand, aber irgendwie ist es trotzdem unangenehm. Später kommen allerdings Erwachsene, und rufen die Kinder weg.

Auf der Weiterfahrt längs der Gebirgsketten kommen wir immer höher hinauf, erreichen gut 1900m Höhe bis wir in Ait Hani wieder auf eine Nationale Strasse RN12 kommen. Ab hier geht es abwärts, teilweise eine richtige Passstrasse. Motorradfahren (Touristen) kommen uns auf schweren Maschinen entgegen. Das Tal und die Strasse werden immer enger und führt durch eine tiefe Schlucht im roten Fels, die Todgha-Schlucht (Todra gesprochen). Hier hat es an der Strasse allerlei Händler, auf der anderen Seite des Flusses ein Hotel. Der Fluss führt erstaunlich Wasser, aber hier gibt es keinen Platz für Landwirtschaft. Das Wasser wird aber in kleine Kanäle (wie die Bissen im Wallis) geleitet und am Ende der Schlucht auf die Felder gebracht, was zu einer Reichen, grünen Landschaft verhilft. Die Häuser drängen sich an die Felsen am Rand und im Talboden stehen Palmen und wächst wohl Getreide.

Tinghir liegt aber dann wieder im breiten Tal des Todgha, der hier aber wieder unter dem Geröll verschüttet ist.

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