Die Gerber von Fès

In Fès gibt es 2 sehr bekannte Handwerke, die für diese Stadt stehen. Eines davon ist die Gerberei.

In der Altstadt die von einem Fluss durchflossen wird befindet sich ein Areal mit grossen gemauerten Töpfen. In diesen werden die Häute von allerlei geschlachteten Tieren verarbeitet.

Die Häute werden erst in einem Kalkbad gewaschen, damit sollen vor allem die Haare und wohl auch die Reste auf der Innenseite der Haut entfernt werden. Danach kommen sie in ein Bad mit einer Amoniak-Lösung, manchmal wird auch von Tier-Urin gesprochen. Davon will der Mann, der uns die Prozedur erklärt aber nichts wissen. Durch dieses wird die Haut weich und dauerhaft. Zuletzt gibt es verschiedene Töpfe mit Färbemittel, hier sollen ausschliesslich natürliche Farben zum Einsatz kommen.

Die Touristen werden in den Häusern ringsum auf die Dachterrassen gebracht, von wo man aus einigermaassen sicherer Entfernung dem Treiben zusehen kann. Die Gerüche, die bis nach oben reichen, können mit Pfefferminzzweigen gemildert werden, die jeder Besucher erhält. Zum Schutz vor der Sonne ist die Terrasse mit einem zusätzlichen Dach abgeschirmt.

Das grosse Abenteuer ist aber eigentlich schon der Weg in das Moulay Abdullah Viertel und zu den entsprechenden Häusern. Wir haben uns am Ende durch Gassen bewegt, in denen auch Fussgänger nur schwer kreuzen können. An den besonders engen Stellen musste die eine Schlange warten, bis die entgegenkommende Gruppe diese passiert hatte; das ist nichts für klaustrophobe.

Einige Teilnehmer aus unserer Gruppe, die sich diese bereits bei einer früheren Reise angesehen hatten, versichern uns, dass der Gestank früher massiv stärker war, heute ist es durchaus auszuhalten. Martin unser Reiseleiter hier in Marokko hat dazu erklärt, dass früher offenbar auch noch Taubenmist zum Ringerurin beigegeben wurde.

Die Arbeiter in dieser Gerberei haben eine strenge Arbeit und nicht gerade ergonomische Bedingungen. Die Häute werden in Handarbeit von einem Topf in den anderen gebracht. Mit einem Eimer machen an anderer Stelle zwei Männer einen solchen Bottich leer, der hat geschätzt 2 Kubikmeter Inhalt (gut 1m Durchmesser, 2m Tiefe). Im Kalkbad tragen alle hohe Stiefel, in den Farbbädern sind sie jedoch teilweise barfuss am Werk.

Es stellt sich die Frage, ob dieses traditionelle Handwerk weitergepflegt werden soll oder ob es industriell werden soll.

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