Es gibt in Marokko 4 Königsstädte, also Städte, die von mindestens einem König als Landeshauptstadt erkoren wurden. Das sind die aktuelle Hauptstadt Rabat, Fès, Marakesch und eben Meknès. Davon ist Meknès die kleinste.
Der Sultan Mullay Ismail, der zweite König aus dem Geschlecht der Alawiten, hat im 17.Jh Meknès zu seiner Hauptstadt bestimmt, auch weil in der Gegend verfeindete Berberstämme um die Macht unter sich und teilweise auch gegen den König kämpften. Der Sultan liess neben der Medina von Meknès eine grosse Königsstadt mit einer eigenen Festungsmauer errichten und hat zu deren Ausschmückung die Paläste früherer Könige an anderen Platzen und die Römische Stadt Volibilis „plündern“ lassen.
Der Palast und der dazugehörende Garten wurde nach Inspirationen von seinem Freund Louis XIV in Paris in Anlehnung an Versailles gestaltet. Ein grosses Wasserbecken als See gestaltet sorgte dafür, dass genügend Wasser für die Menschen in der Medina und in der Königsstadt, aber auch für die Gärten und die 12000 Pferde der Garnison da war. Unterirdische Gänge verbanden die Medina mit der Festung des Königs. Leider sind viele Bauten bei einem Erdbeben im 18.Jh (Erdbeben von Lissabon 1755) stark beschädigt worden und nicht alle sind wieder aufgebaut worden. Die Residenz des Königs dient aber dem aktuellen König (ein Nachkomme des Mullay Ismail) als zeitweiliger Wohnsitz.
In der Königsstadt gibt es eine Mella, ein Viertel der Juden, die zu der Zeit in grosser Zahl auch in Meknès ansässig waren. Seit der Gründung des Staates Israel sind aber die meisten Juden dahin ausgewandert, auch wenn sie in Marokko des Königs Schutz genossen. Selbst in der Zeit des Holocausts hat der König von Marokko (damals unter französischem Protektorat des Vichy-Regimes) die Auslieferung der Juden nach Vichy-Frankreich und damit nach Deutschland verweigert und hat vielen geflohenen Juden die marokkanische Staatsbürgerschaft angeboten.
Die Medina ist die Altstadt die von der Stadtmauer umfasst wird. Diese ist hier in Meknès nicht sehr gross und die Gassen zwar eng, aber nicht so eng, das 2 Fussgänger nicht kreuzen könnten. Der Suq liegt natürlich innerhalb dieser Medina und ist eine Sammlung kleiner Läden und Handwerksbetriebe mit allerlei Waren. Die Preise sind nicht fest es muss durchaus gefeilscht werden. Die Menschen zeigen einem aber auch gerne ihr Handwerk. Wir haben Zwirnereien gesehen, Werkstätten, wo die Kordeln zu schmucken Zierbändern genäht werden, Schneidereien, Sattlereien uvam.
Der Herr, der uns gezeigt hat, wie er die Damscine-Artikel macht, hat seine Ware schon mit einem eigentlichen Preis und dem speziellen für uns angeboten; aber am Ende hat er uns doch noch einen wesentlich günstigeren Preis angeboten.
Du weisst nicht, was das ist? Damscine ist eine Kunst, die aus Damaskus stammt. Hier werden auf Stahl-Produkte, die aufgerauht sind, mittels eines feinen Silberfadens Ornamente und Muster auf gehämmert, der Faden auf den Stahl gehämmert und damit Linien gezeichnet. In verschiedenen Erhitzungsvorgängen wird das Silber mit dem Eisen legiert, poliert und danach das Ganze nach erneutem Erhitzen in (Pflanzen-)Öl brüniert. Damit wird die Oberfläche sehr korrosionsbeständig und dunkel gefärbt, bis auf die silberfarbenen Linien darauf.
Wir haben in der Medina in einem hübschen Riad gewohnt, ein kleines Haus mit 7 hübschen Zimmern, nicht gross aber niedlich eingerichtet. Da wir zu zwölft unterwegs sind, haben wir das Haus auch für uns gehabt und wie eine grosse Familie darin gegessen.